Der Kirchenälteste Johann Katter (1811–1894)
Die Zeit zwischen den Jahren ist eine Zeit des „nach Denkens“ und „voraus Schauens“. Das alte Jahr geht zu Ende etwas Neues kann beginnen. Auch Johann Christian Katter blickte 1886 in Putbus auf das damals vergehende Jahr zurück. Er schreibt am „ersten heiligen Weihnachtstage“ in sein Tagebuch:

„So hätten wir denn unter Gottes gnädigem Beistand das liebe Weihnachtsfest wieder erreicht und abgerechnet ein wenig Schnupfen und Husten gesund und fröhlich. Im allgemeinen geht es der Menschheit recht gut, denn der liebe Gott hat ja wieder ein gesegnetes Jahr gegeben, und wenn die Menschheit nur zufrieden wäre, würde es noch sehr viel besser stehen. So aber rumort es überall […].“

Der Putbusser Johann Katter, geboren 1811, verdiente seinen Lebensunterhalt als Tischlermeister, später dann verwaltete er als Bademeister das Friedrich Wilhelm Bad für das Fürstenhaus. Katter gehörte über Jahrzehnte dem Kirchengemeinderat der Schlosskirche an, für den er eine Chronik verfasste. Am 15. Januar 1886 notierte er: „Vorgestern abend war Kirchenratsversammlung, wo ich auch um die versprochene Geschichte von Putbus aus den Jahren von 1844 bis zum Eintritt des Pastors Elert befragt wurde. […] So habe ich angenommen, daß dieselbe schon überflüssig geworden sei. Ich habe den Entwurf Herrn Direktor Spreer geliehen, wollte ihn aber, sobald ich ihn wieder zurück habe, abgeben.“

Katter, der loyal zu seiner Kirche stand, hatte aber durchaus seine eigene Meinung. Nicht so gerne, so erzählt er, nahm er beispielsweise an den Sitzungen der Bezirkssynode in Garz teil. „Jetzt ist es anders“, schreibt er, nachdem Pastor Ahlbory aus Altefähr sein Amt als Superintendent angetreten hatte. „Superintendent Ahlbory leitet die Verhandlung sehr ruhig und angemessen, und jeder kann ungehindert seine Meinung äußern. Kommt bei diesen Synoden auch für das Wohl der Gemeinde und der Kirche immer noch nicht viel heraus, so ist doch schon ein bedeutender Fortschritt erzielt.“

Mit einem Vers, den Katter sich aus der Predigt am Sonntag nach Pfingsten bewahrt hatte, beschließt er seine Gedanken zur Jahreswende 1886/1887:

Wenn Glauben Eingang Du verwehrst
Steigt Aberglaube dir ins Fenster!
Hast Engel Du von Dir gejagt
Gesellen sich zu Dir Gespenster
.


Mit diesem Eintrag enden auch seine Tagebuch-Aufzeichnungen, die der 75-jährige als junger Mann begonnen hatte. Gestorben ist Johann Christian Katter am 6. November 1894, nur drei Tage nach seiner Frau Wilhelmine. Beide wurden in einem Grab auf dem Friedhof „Am Mühlenberg“ in Putbus beigesetzt.

Jutta Neuper (Überlingen am Bodensee)

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