Gemeindebrief

Gemeindebrief – Juli 2022

Fröbelforscherin in der Putbusser Gemeinde

Manche Putbusser und Putbusserinnen erinnern sich sicher noch an die Musiklehrerin Irma Petersen. Klavierspiel erklang bis in die Nachkriegsjahre aus dem Haus Nr. 5 am Markt. Seit 1922 lebte ihre Halbschwester Helene Klostermann bei ihr in Putbus. Die bekannte Pädagogin starb dort am 27. Mai 1935 fast 77Jährig. Im Ruhestand hatte Helene Klostermann den Nachlass des Pädagogen Friedrich Fröbel (1782 – 1852) für das Fröbelmuseum in Bad Blankenburg geordnet. Die von Klostermann gefertigte Auflistung, das Findbuch der Archivalien ist bis heute in Gebrauch.

Von ihrer „stillen Insel“, wie die Biographin Lück schreibt, brach sie immer wieder auf, um Vorträge zu halten und sich mit Kollegen und Kolleginnen auszutauschen. In Ihrem langen Berufsleben hatte sie eine höhere Mädchenschule in Bonn geleitet, stand einem Lehrerinnenseminar vor und gründete eine Ausbildungsstätte für Kindergärtnerinnen; sie war Vorsitzende und Ehrenvorsitzende des Fröbelverbandes und Autorin.

Inspiriert und zur Fröbelianerin war Helene Klostermann durch die Wohltäterin Julie Salis-Schwabe geworden. Für diese arbeitete sie in London als Privatsekretärin und wurde später an dem von Salis-Schwabe gestifteten „Instituto Froebeliano“ in Neapel, in die praktische Fröbel-Pädagogik eingeführt. Klostermann dokumentierte Fröbel in seinem Werk nicht nur als Begründer des „Kinder=Gartens“ und seiner Forderung die Betreuung von kleinen Kindern als Beruf zu lehren, sondern betonte ebenso auch das pädagogische Wirken auf Schüler und Schülerinnen. Es gehe ihr, wie sie 1927 aus Putbus schreibt, um Fröbels Idee der Einheit des Lebens, der Einheit der Menschenbildung. Kinder lernen durch Erleben und Tun, so die bedeutende Einsicht.

Die diskutierte Pädagogik der italienischen Ärztin Maria Montessori, geboren im Jahre 1870 komme diesem grundsätzlichen Gedanken nahe. Aber die Fröbel Bekenner sollten sich der Schätze nicht berauben lassen, die der große Pädagoge in seiner geheimnisvollen Sprache denjenigen offenbare, die mit einem nach innen gerichtetem aufmerksamem Ohr ihren Sinn erst enträtseln.

Die Putbusser kleine Schwester und sie verband eine berührende innige Beziehung: Helene Klostermann hatte die um viele Jahre jüngere in Messina auf Sizilien im Elternhaus der beiden betreut und gebildet; diese begleitete sie nun im Alter in Putbus und umsorgte sie als sie erkrankte. Die Familie war schon in Italien in der evangelischen Gemeinde tief verwurzelt gewesen. „Die Unsterblichkeit der Seele ist uns ja nicht etwa nur eine kirchliche Lehre, […], sondern sie ist tiefste Versenkung in die Göttlichkeit alles Lebens wie es uns in Natur und Menschentum umgibt, und uns in jedem Augenblick, in jedem Worte und in jeder Tat, ja in jedem Gedanken zu göttlicher Gestaltung auffordert.“, so Helene Klostermann in einem ihrer Briefe.

Mit diesem Gedanken hat sie auch in Putbus gelebt und gewirkt. Sie regte Pädagogen und Pädagoginnen, Jungen und Mädchen an, die göttlichen Quellen allen Lebens in sich selbst zu erkennen und aus freiem Willen nachzuleben, wie sie sich mit ihrem Vorbild Friedrich Fröbel einig wusste.

Jutta Neuper
(Überlingen am Bodensee)